Aufschwung kommt im Handwerk nicht an

Konjunktur im dritten Quartal 2026 -

Die Geschäftslage des Handwerks in Baden-Württemberg hat sich gegenüber dem Frühjahr zwar leicht verbessert. Doch schwache Aufträge und zurückhaltende Investitionen lassen Handwerksbe¬triebe skeptisch auf das Jahresende blicken.

Zumindest gegenüber dem Vorquartal (Frühjahr 2026) hat sich die Stimmung des baden-württembergischen Handwerks im Sommer etwas aufgehellt. Im Vergleich zum Vorjahr (2025) fällt die Bilanz jedoch deutlich schwächer aus: 43 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, vor einem Jahr waren es noch 59 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage von 14 auf 20 Prozent.

„Der kürzlich von Wirtschaftsforschern berichtete leichte Aufschwung kommt im Handwerk noch nicht an. Schwache Aufträge, gebremste Investitionen und sinkende Erwartungen zeigen: Von einer Konjunkturwende in der Breite kann keine Rede sein“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Noch bewertet zwar eine große Mehrheit der Betriebe im Land ihre Lage als gut oder zumindest befriedigend. Die unzureichenden Auftragszahlen, die Investitionszurückhaltung und der skeptische Blick auf die kommenden Monate sind jedoch deutliche Warnsignale.

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Aufträgen und Investitionen: Nur 17 Prozent der Betriebe meldeten höhere Auftragseingänge, bei 38 Prozent gingen sie zurück. Auch beim Umsatz überwogen die Rückgänge deutlich. Gut jeder vierte Betrieb hat seine Investitionen zurückgefahren, während nur noch 18 Prozent mehr investierten. Für das Schlussquartal verschärft sich dieses Bild sogar nochmal: Nur rund 14 Prozent planen höhere Investitionen, gut jeder dritte Betrieb will weniger investieren.

Auch bei der Beschäftigung hinterlässt die schwache Entwicklung Spuren. Erstmals seit 2006 fiel die Beschäftigungsentwicklung in einem dritten Quartal negativ aus. Lediglich das Handwerk für den gewerblichen Bedarf verzeichnete noch ein Beschäftigungsplus. Dazu zählen etwa Metallbauer und Feinwerkmechaniker.

Hinzu kommt der Kostendruck: Fast drei Viertel der Betriebe berichteten von gestiegenen Einkaufspreisen. Die eigenen Verkaufspreise erhöhen konnte dagegen nur knapp jeder dritte Betrieb. Besonders angespannt ist die Lage im Nahrungsmittelhandwerk. Vergleichsweise robust zeigen sich weiterhin das Bauhauptgewerbe, etwa mit Maurern und Betonbauern, sowie das Ausbaugewerbe, zu dem unter anderem das Elektrohandwerk zählt.

Für das Schlussquartal überwiegt die Skepsis deutlich. Nur 17 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 26 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Damit sind die Aussichten unter dem Strich nur minimal besser als im Frühjahr. Auch bei Aufträgen und Umsätzen rechnen deutlich mehr Betriebe mit Rückgängen als mit Zuwächsen.

„Unsere Betriebe brauchen wieder Luft für Investitionen und damit Gründe zur Zuversicht. Wenigstens aus Stuttgart braucht es diese Impulse, wenn schon nicht aus Berlin. Weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und gezielte Investitionsanreize können dazu einen konkreten Beitrag leisten“, so Reichhold. Vom anstehenden Landeshaushalt für 2027 müssten daher entsprechend klare Signale ausgehen, dass die Landesregierung nach Monaten der Orientierung nun ins Abarbeiten komme.

 

Investitionsbremse bleibt angezogen: Bereits im dritten Quartal 2026 hielten sich die Handwerksbetriebe bei Investitionen zurück. Für das Schlussquartal fallen die Erwartungen noch deutlich schwächer aus.