Der „Seifriz – Transferpreis Handwerk + Wissenschaft“ zeichnet bundesweit innovative Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben und Wissenschaftseinrichtungen aus. Prämiert werden Lösungen, die praktisches Können und wissenschaftliche Expertise verbinden – und zeigen, wie aus gemeinsamen Ideen erfolgreiche Innovationen entstehen.
Ob neues Produkt, wegweisendes Verfahren oder innovatives Geschäftsmodell: Im Mittelpunkt des Seifriz-Preises stehen praxisnahe Lösungen, die aus der Zusammenarbeit von Handwerk und Wissenschaft hervorgegangen sind und einen wirtschaftlichen Nutzen für den beteiligten Handwerksbetrieb versprechen.
Der Preis wird alle zwei Jahre vom Verein Technologietransfer Handwerk e. V. unter Federführung von HANDWERK BW und in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftszeitschrift „handwerk magazin“ vergeben. Die ausgezeichneten Kooperationen erhalten Preisgelder von insgesamt bis zu 25.000 Euro.
Eine Besonderheit des Wettbewerbs: Die Preisverleihungen finden direkt in den ausgezeichneten Betrieben statt. So können die beteiligten Teams gemeinsam feiern – und die Innovationen dort vorgestellt werden, wo sie entstanden sind und eingesetzt werden.
Vier Kooperationen aus Bäckerei, Bootsbau, Metallbau und Steinmetzhandwerk überzeugten die Jury des Seifriz-Preises 2026. Drei Preisträger-Tandems haben ihre Auszeichnungen bereits im Sommer erhalten. Die vierte Preisverleihung folgt im November 2026.
„BakeTex“ – Fickenschers Backhaus GmbH & Fraunhofer-Anwendungszentrum Textile Faserkeramiken, Münchberg
Gemeinsam mit dem Textilhersteller Wilhelm Zuleeg GmbH entwickelten die Bäckerei und die Forschungseinrichtung eine langlebige, waschbare textile Backunterlage. Anders als vergleichbare Lösungen kommt „BakeTex“ ohne den Kunststoff PTFE aus.
Die wiederverwendbare Unterlage ersetzt Einweg-Backpapier und reduziert durch geringere Aufheiz- und Abkühlmassen den Energieverbrauch. Eine digitale Rückverfolgbarkeit mittels Radio Frequency Identification, kurz RFID, erhöht zudem die Prozesssicherheit und unterstützt die Einhaltung von Hygienestandards.
Die Auszeichnung wurde im Juni 2026 bei Fickenschers Backhaus in Münchberg übergeben.
Sonderpreis „Ganzheitliche Nachhaltigkeit“: „Woy Yachts“ – Jan Brügge Bootsbau GmbH, Grödersby, und Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Erstmals wurde das im Kunststoffbereich etablierte Vakuuminfusionsverfahren zur Verleimung von Bootsrümpfen erfolgreich auf Holz übertragen und patentiert. So entstehen Hochleistungsyachten aus heimischen Hölzern, die deutlich effizienter und nachhaltiger gefertigt werden können. Das Verfahren eröffnet damit neue Perspektiven für den gesamten Bootsbau.
Die Preisverleihung fand im Juli 2026 bei Jan Brügge Bootsbau in Arnis statt. Der Sonderpreis „Ganzheitliche Nachhaltigkeit“ wird von der IKK classic vergeben.
„StoneCrackMon“ – Bildhauerei Diwo, Paderborn, und Fraunhofer IOSB-INA, Lemgo
Der Steinmetz Michael Diwo und das Fraunhofer IOSB-INA entwickelten gemeinsam eine KI-Software, die Fachkräfte dabei unterstützt, Schäden an Stein- und Betonobjekten mithilfe akustischer Signale zu erkennen.
Erfahrene Meister trainieren das KI-System mit ihrem Fach- und Erfahrungswissen. Jüngere Fachkräfte können anschließend bei der Bewertung und Erhaltung historischer Objekte auf dieses Wissen zurückgreifen. Die künstliche Intelligenz ersetzt damit nicht die handwerkliche Expertise, sondern macht sie für weitere Anwenderinnen und Anwender nutzbar.
Die Preisverleihung fand im Juli 2026 im InnovationSPIN in Lemgo statt. Unterstützt wurde sie vom Projekt KIDiHa – Künstliche Intelligenz und Digitalisierung für das Handwerk in Nordrhein-Westfalen – der Kreishandwerkerschaft Paderborn.
„Biimtec“ – Hornung OSP, Bermatingen, und Steinbeis-Transferzentrum INENGO, Pfullendorf
Hornung OSP und das Steinbeis-Transferzentrum INENGO haben gemeinsam ein patentiertes Injektor-Sandstrahlverfahren entwickelt. Damit lassen sich Bauteile aus kohlenstoff- und glasfaserverstärkten Kunststoffen, Hybridwerkstoffen und Metall deutlich energie- und ressourcensparender bearbeiten.
Bestehende Anlagen können mit der Technik nachgerüstet und Cobots in den Bearbeitungsprozess eingebunden werden. Das eröffnet neue Perspektiven für Produktivität und Nachhaltigkeit im gesamten Marktsegment.
Die Preisverleihung findet im November 2026 im neuen Steinbeis-Transferzentrum in Überlingen statt.
Der Seifriz-Preis wird vom Verein Technologietransfer Handwerk e. V. unter Federführung von HANDWERK BW und in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftszeitschrift „handwerk magazin“ vergeben.
Die Hauptpreise werden von der Holzmann Medien Gruppe und der Signal Iduna Gruppe für Versicherungen und Finanzen gestiftet. Die IKK classic vergibt den Sonderpreis „Ganzheitliche Nachhaltigkeit“.
Die Bewerbungsphase für den Seifriz-Preis 2028 startet im Juni 2027. Weitere Informationen zum Preis und zur nächsten Wettbewerbsrunde finden Sie unter www.seifriz-preis.de.
Leiter Innovation und Digitalisierung